Work in Progress 2026 – TILT

Jedes Jahr findet das Abschlussprojekt, die finale Prüfungsleistung unserer Absolvent*innen, unter einem anderen Thema statt. Raul Valdez, künstlerischer Leiter der CDSH – Contemporary Dance School Hamburg, lässt sich bei der Themenfindung von der Energie und Dynamik der jeweiligen Abschlussklasse inspirieren. In diesem Jahr ist „TILT“ zugleich Leitthema und Experimentierfläche für alle Choreograf*innen und Tänzer*innen.

Die Work in Progress Vorstellungen zeigen den aktuellen Stand der choreografischen Arbeiten aller drei Jahrgänge und geben einen Ausblick auf die Arbeiten der bevorstehenden Graduation Shows im Sommer 2026, die vom 03. bis 05. Juli und vom 09. bis 12. Juli zu sehen sein werden.

Was, wenn es keine festen oder stabilen Gegensätze, gut/böse, richtig/falsch, dies/das. Was, wenn Gegensätze nicht sind, sondern werden, sich verschieben, kippen, kollabieren und immer wieder (neu) entstehen. Vielmehr neigen sie sich einander zu und entfernen sich voneinander und entstehen überhaupt erst, wenn wir sie behaupten. Und auch wir selbst sind kontextualisiert, geneigt aus der Perspektive, von der aus wir blicken.

Wir handeln und bewerten aus unserem eigenen Blickwinkel und wie wir Gegensätze definieren, ist relativ. Es hängt von den Umständen und unserer eigenen Beziehung zum Boden ab, auf dem wir stehen. Was gut oder schlecht ist, was dies oder das ist, hängt davon ab, aus welchem Blickwinkel wir es betrachten. Und es gibt unzählige Varianten von gut und böse. Wenn sich die Umstände ändern, ändert sich auch die Beziehung zwischen uns und den behaupteten Polen oder zwischen den Polen selbst, und vielleicht kollabiert der Gegensatz sogar vollständig.

Die Geschichte verläuft nicht linear, sondern in Schleifen, bricht und widerspricht sich selbst. Die Achse ist niemals fest. Bewegen wir uns vorwärts oder rückwärts? Das hängt von der Perspektive ab und davon, wer die Maßstäbe setzt. Tiefgreifende gesellschaftliche Umbrüche, die in den letzten Jahrzehnten erkämpft und vorangebracht wurden, gehen einher und existieren gleichzeitig mit konservativen reaktionären Bewegungen. Vielleicht tun wir beides gleichzeitig, bewegen uns vorwärts und rückwärts zugleich, lehnen uns aneinander und wenden uns voneinander ab.

Was für die eine Gruppe als Erweiterung von Möglichkeiten erlebt wird, kann für eine andere als Infragestellung vertrauter Ordnungen erscheinen. Auf diese Weise sind Fortschritt und Rückschritt nicht nur Gegensätze – sie bedingen sich gegenseitig. Das eine löst das andere aus und prägt es.

Das Thema „tilt“ ist eine Einladung, Ungleichgewicht, Spannung und Relationalität zu erforschen. Es erinnert uns daran, dass Bewegung, Bedeutung und Identität niemals aufrecht oder neutral sind, sondern immer zu etwas oder jemand anderem hin oder gegen etwas oder jemanden neigen. „tilt“ dient als Leitmotiv und Inspiration für Experimente für alle Choreograf*innen und Tänzer*innen.

Choreografien von Javier Báez-Vélez, Yolanda Morales, Mihir Grover, Ursina Tossi, Pascal Schmidt & Ricardo Urbina (choreografische Assistenz) und Raul Valdez.

Die Tänzer*innen des dritten Ausbildungsjahrs zeigen die Premiere ihrer ersten Abschlusschoreografie von Pascal Schmidt. 

Wie jedes Jahr finden unsere „Work in Progress“-Vorstellungen im Hamburger Sprechwerk statt. In diesem Jahr am 27. und 28. Februar um jeweils 20:00 Uhr sowie am 1. März um 18:00 Uhr. Die Derniere am Sonntag wird gestreamt. 

Vorverkauf: 13 €, ermäßigt 9 € ⎹ Abendkasse: 16 €, ermäßigt 12 € ⎹ Livestream: 5 € 

Tickets gibt’s auf www.cdsh.de 

…und wie immer freuen wir uns sehr über Spenden via PayPal: cdsh@cdsh.de 

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